
Vor ein paar Monaten stand ich mit einer Handvoll Unternehmerinnen und Unternehmern in einem alten Fachwerkraum. Auf dem Programm: kein Strategie-Meeting, keine Folien. Sondern Dudelsack.
Das Ziel war bescheiden. Einen Ton 30 Sekunden lang halten. Ohne zu hyperventilieren.
Klingt harmlos. War es nicht.
Und irgendwo zwischen rotem Kopf und schrägen Tönen ist mir etwas aufgefallen, das mich seitdem nicht loslässt: Ein Dudelsack und gute Personalarbeit haben mehr gemeinsam, als man denkt.
1. Zuerst zuhören, dann spielen
Wer Dudelsack spielt, muss zuhören – auf den eigenen Ton, auf die anderen, auf den Raum. Wer einfach drauflosbläst, macht Krach.
In der Personalarbeit ist es genauso. Bevor man eine Entscheidung trifft, eine Trennung vorbereitet oder ein Verfahren startet, muss man verstehen, was im Betrieb wirklich los ist. Nicht, was auf dem Papier steht.
2. Timing entscheidet
Ein Einsatz zu früh oder zu spät – und das Stück kippt.
Personalthemen sind selten eine Frage des Ob, sondern des Wann. Eine Kündigung, die zu lange liegen bleibt. Ein BEM, das überfällig ist. Ein Gespräch, das man drei Monate vor sich herschiebt. Das richtige Timing ist die halbe Miete.
3. Zusammenspiel statt Solo
Ein Ensemble funktioniert nur, wenn jeder seinen Einsatz kennt.
Genau das ist Personalarbeit im Betrieb: Geschäftsführung, Führungskräfte, Mitarbeiter – jeder hat seine Rolle. Meine Aufgabe ist nicht, das Solo zu spielen, sondern dafür zu sorgen, dass alle zusammen klingen.

4. Ohne Übung kein Ton
Niemand nimmt einen Dudelsack in die Hand und klingt gut. Es braucht Wiederholung, Routine, Disziplin.
Saubere Personalprozesse sind dasselbe. Ordentliche Akten, klare Abläufe, verlässliche Dokumentation entstehen nicht aus einem Kraftakt, sondern aus Beständigkeit.
5. Den richtigen Ton treffen – auch wenn es eng wird
Das Wichtigste kommt zum Schluss. Wenn die Luft knapp wird, neigt man dazu, fester zu drücken. Das Ergebnis: noch mehr Krach.
In angespannten Situationen – einem Konflikt, einer Trennung, einem schwierigen Gespräch – ist die Versuchung dieselbe. Lauter werden. Druck machen. Dabei hilft genau das Gegenteil: ruhig bleiben, strukturiert handeln, den richtigen Ton treffen.
Worum es eigentlich geht
Ich erzähle das nicht, weil ich aus jedem Unternehmer einen Dudelsackspieler machen will. Sondern weil dieser Nachmittag etwas sichtbar gemacht hat, das in meiner Arbeit jeden Tag zählt:
Gute Personalarbeit ist kein lautes Geschäft. Sie ist Zuhören, Timing, Zusammenspiel und Verlässlichkeit – und die Fähigkeit, auch dann den Ton zu halten, wenn es unbequem wird.
Wenn in Ihrem Betrieb gerade ein Thema „schräg klingt“ und niemand es anfasst: Lassen Sie uns 30 Minuten Klartext reden.